Geschichte der Schule
1852 wurde in Schleswig eine Heil- und Erziehungsanstalt eingerichtet, in der die Patienten auch Unterricht erhielten. 1872 zog die Einrichtung auf den Hesterberg. 100 Jahre später – 1972 - wurde die Schule Hesterberg offiziell als öffentliche und selbstständige Schule mit eigenem Rektorat eingerichtet.
Seit 1990 verringerte sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Immer mehr durchschnittlich begabte Kinder und Jugendliche mit psychischen und psychosomatischen Krankheiten wurden Patienten der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (KJPP).
Die Schule Hesterberg ist die größte Schule für Kranke an einer KJPP in Deutschland mit bis zu 138 Schülern täglich (Jahresgesamtschülerzahl ca. 750). Sie werden von 35 Lehrkräften aller Schularten, Erziehern und Heilpädagogen unterrichtet.
Seit dem 01.01.2012 ist die Schule Hesterberg Landesförderzentrum für den Unterricht kranker Kinder und Jugendlicher.

Besondere Merkmale der Schule Hesterberg
Die Lehrkräfte begleiten, fördern und unterrichten Schüler aller Schularten und Jahrgangsstufen während ihres Aufenthaltes in der KJPP. Da die Schulpflicht nur für die zuständige Schule gilt, müssen die Sorgeberechtigten für den Schulbesuch bei uns ihr Einverständnis geben. Das Schulverhältnis an der Heimatschule bleibt bestehen.
Durch die begrenzte Aufenthaltsdauer in der KJPP ergibt sich ein sehr kurzer Beschulungszeitraum, der zu einer hohen Fluktuation der Schüler führt. Dadurch verändert sich auch fortlaufend die Zusammensetzung der Schülerschaft.
Unter Berücksichtigung der persönlichen Belastung und des individuellen Förderbedarfs bezieht der Unterricht die Vorgaben der Heimatschule mit ein. Dabei sehen sich die Lehrkräfte häufig in einem Spannungsfeld zwischen nicht zu erfüllenden Erwartungen und den augenblicklich bestehenden krankheitsbedingten Einschränkungen der Kinder und Jugendlichen. Die Ressourcen der Schüler dienen als Ausgangslage zur individuellen Stundenplangestaltung.
Die von der KJPP gesetzten Behandlungsziele und die individuellen Therapietermine müssen im gesamten schulischen Alltag berücksichtigt werden. Deshalb können keine gemeinsamen Vorhaben einer Lerngruppe am Schulvormittag stattfinden.
Der enge und intensive Austausch ist Grundvoraussetzung für eine multiprofessionelle Zusammenarbeit von Lehrkräften, Therapeuten und Betreuern.

Pädagogische Leitsätze
Jeder Schüler ist in erster Linie Patient!
Das bedeutet für uns:
Wir sehen den Schüler als Gesamtperson, dessen augenblickliche Lebensprobleme im Vordergrund stehen. Seine Befindlichkeit muss bei allen Anforderungen berücksichtigt werden. Das Wissen über seine Krankheit/seine Störung und das Behandlungskonzept ist für seine optimale Förderung notwendig. Unser Ziel bleibt es, zu fördern und zu fordern:
„Soviel Alltag wie möglich, soviel Schonraum wie nötig“

Probleme wollen wir gemeinsam lösen.
Das bedeutet für uns:
Wir nehmen den Schüler als eigenständige Person wahr und achten sein Selbstkonzept und seine Lösungsstrategien. Gemeinsam entwickeln wir neue Lösungswege und Handlungsstrategien für Problemsituationen und begleiten den Schüler bei der Umsetzung. Es besteht  Verlässlichkeit in unserer Bereitschaft, jederzeit mit dem Schüler Konflikte gemeinsam zu lösen. Bei Gewalt schauen wir nicht weg. Bei allem gilt:
„Die konstruktive Lösung hat Vorrang“

Wir begegnen uns in gegenseitiger Achtung und Wertschätzung.
Das bedeutet für uns:
Wir nehmen den Schüler unabhängig von seinem Verhalten an. Dadurch können wir ohne persönliche Betroffenheit reagieren und professionell auf den Schüler eingehen. Gegenseitigkeit bedeutet auch, dass wir ein achtendes und wertschätzendes Verhalten von den Schülern erwarten.
So wie wir uns im kollegialen Alltag begegnen, sind wir Vorbilder für unsere Schüler:
„Erwachsene sind immer Vorbilder“

Wir nehmen uns Zeit für jeden Schüler.
Das bedeutet für uns:
Schon im Aufnahmegespräch nehmen wir uns ausreichend Zeit, um einen persönlichen Kontakt aufzubauen und den Schüler nicht nur von seiner schulischen Seite, sondern als Gesamtperson kennen zu lernen. Bei Störungen nehmen wir uns Zeit, hören den Schüler an und reagieren situationsangemessen. Unser Arbeitszeitmodell ermöglicht einen bewussten Umgang mit Zeit – auch über die Pflichtstunden hinaus:
„Präsent sein“

Wir fördern und begleiten jeden Schüler individuell.
Das bedeutet für uns:
Die heterogene Zusammensetzung der Lerngruppen und die unterschiedlichen Krankheitsbilder und Störungen erfordern eine Individualisierung des Unterrichtes. Dabei orientieren wir uns an den Stärken und Schwächen des Kindes und unterstützen ein selbstbestimmtes Lernen, das der momentanen Situation des Schülers angepasst ist. Sowohl schulleistungsbezogene als auch pädagogische Ziele werden aufgestellt und schrittweise umgesetzt:
„Jeder Mensch ist einzigartig“

Wir wollen Interesse und Freude am Lernen erhalten und wecken.
Das bedeutet für uns:
Viele Schüler haben bedingt durch ihre Probleme die Freude am Lernen verloren; sie trauen sich nichts mehr zu. Wir wollen wieder neugierig auf die Schule und das Lernen machen. Durch altersentsprechende Einbeziehung des Schülers bei der Stundenplangestaltung, Mitbestimmung der Unterrichtsinhalte und des Umfanges übernimmt der Schüler Selbstverantwortung und lernt sich schrittweise wieder auf Schule einzulassen. Unsere spezielle Schulstruktur gibt dabei Unterstützung und Sicherheit und bietet die Möglichkeit zur individuellen und regelmäßigen Rückmeldung:
„Erfolg macht selbstbewusst und stark“

Struktur der schulischen Arbeit
Die Schule Hesterberg ist schwerpunktmäßig zuständig für die Patienten


und außerdem für die Schüler


Der Unterricht findet in einem Schulgebäude auf dem Klinikgelände statt. Die Schule ist organisatorisch in drei Stufen gegliedert. Jede Stufe hat ein eigenes Stufenkonzept. Alle Konzepte werden ständig überarbeitet und fortgeschrieben:


Die Lerngruppen werden entsprechend der Stationszugehörigkeit unabhängig von Schulart oder Klassenstufe gebildet und von ein oder zwei Bezugslehrkräften, häufig in Bezugslehrertandems betreut. Es entstehen sehr heterogene Lerngruppen. Dies erfordert eine ständige und direkte Kommunikation zwischen Lehrkräften und Mitarbeitern der Stationen. Behandlungs- und Erziehungsziele können so gemeinsam und konsequent verfolgt werden.
Zusätzlich gibt es eine spezielle stationsübergreifende Fördergruppe, in der Kinder und Jugendliche mit sehr ausgeprägtem Förderbedarf beschult werden.
In einem ausführlichen Aufnahmegespräch wird gemeinsam ein individueller Stundenplan erstellt. Der Unterricht findet in kleinen Lerngruppen statt. Neben Deutsch, Mathematik und Englisch wird ein umfangreicher Fachunterricht angeboten. Darüber hinaus werden spezielle Angebote wie z.B. Lernförderung, Kreativwerkstatt, Scratch-Moving-Art, Speed-Stacking gemacht. Außerdem finden lerngruppenübergreifende Aktivitäten (Montagssingen, Sportturniere etc.) statt.
Innerhalb des Unterrichts wird mit individuellen Aufgabenplänen gearbeitet, um die Selbstkompetenz zu stärken. In der Erweiterten Orientierungsstufe und im Sekundarbereich werden Lerntagebücher geführt.
Die Schule nahm 2001-2003 an dem Projekt des Bildungsministeriums zur „Erprobung eines neuen Arbeitszeitmodells für Lehrkräfte“ teil. Dieses Modell wird fortgeführt. Statt der Pflichtstunden pro Woche wird eine Jahresarbeitszeit von 1730 Stunden für Beschäftigte bzw. 1790 Stunden für Beamte zugrunde gelegt. In diese Jahresarbeitszeit werden alle Tätigkeiten einer Lehrkraft eingerechnet.
Mit dem Arbeitszeitmodell lassen sich die individuellen Arbeitsbelastungen erfassen und ausgleichen.

Kommunikationsstruktur der Schule
Tägliche Kommunikationszeit
Es findet ein direkter zeitnaher Austausch von Bezugs- und Fachlehrkräften über Schüler täglich statt. Diese Kommunikationszeiten sind wie auch alle anderen im Arbeitszeitkonto berücksichtigt.

Lehrerkonferenz
Jeden Montag treffen sich alle Lehrkräfte zu einer kurzen Lehrerkonferenz vorwiegend zum Informationsaustausch. Bis zu sechsmal im Jahr findet eine ausführliche Lehrerkonferenz statt.

Stufensitzung
Jede Stufe organisiert den eigenen Stunden-, Vertretungs- und  Aufsichtsplan und ist für den Stufenetat zuständig. Einmal wöchentlich treffen sich die Lehrkräfte der jeweiligen Stufe. Es werden Informationen über Schüler ausgetauscht und aktuelle Themen besprochen. Jede Stufe wählt für ein Jahr einen Stufensprecher.

Stufensprechertreffen
Die Stufensprecher treffen sich nach Bedarf mit der Schulleitung zum Informationsaustausch.

Innovationsgruppe
Die Innovationsgruppe strukturiert den Prozess der laufenden Fortschreibung des Schulentwicklungsprogramms. Sie besteht aus gewählten Mitgliedern und soll möglichst die Zusammensetzung des Kollegiums repräsentieren.

Projektgruppen
Projektgruppen unterstützen die Arbeit der Innovationsgruppe, indem sie ausgewählte Themen bearbeiten und deren Umsetzung vorbereiten.

Kommunikation Schule - Klinik
Schulbesprechung
Einmal wöchentlich treffen sich die Bezugslehrkräfte mit den Therapeuten und Mitarbeitern zum Austausch über die Schüler der Station und besprechen das weitere Vorgehen.

Fallbesprechung
Unter der Leitung des zuständigen Therapeuten wird in der Fallbesprechung ausführlich über einen Patienten gesprochen. Daran nimmt die Bezugslehrkraft und das gesamte Stationsteam teil, das mit dem Patienten zusammenarbeitet.

Konzeptbesprechung
Nach Absprache treffen sich die Bezugslehrkräfte mit den Therapeuten und Mitarbeitern einer Station zum Austausch über die Zusammenarbeit und deren Fortentwicklung.

Hauskonferenz
Bei diesem monatlich stattfindenden Gespräch zwischen Vertretern der Verwaltung, den medizinischen und therapeutischen Bereichen und der Schule stehen Fragen der Struktur, der Konzeption und der Zusammenarbeit zwischen allen Bereichen im Vordergrund.

Treffen Schulleitung/Klinikleitung
Nach Absprache finden Gespräche über alle Fragen der Zusammenarbeit statt.

Zusammenarbeit mit den Heimatschulen
Ebenso wichtig wie die Zusammenarbeit mit der Klinik ist auch ein enger Kontakt und stetiger Austausch mit den Lehrkräften der Heimatschulen. Bei Aufnahme des Schülers erhält die zuständige Schule zwei Anschreiben mit Informationen und dem Namen der zuständigen Bezugslehrkraft. Während des Aufenthaltes wird der Kontakt vorwiegend telefonisch gehalten. Nach Absprache werden Runde Tische durchgeführt.
Durch die Zusammenarbeit können sich beide Seiten ein genaueres Bild über schulische Leistung, Förderbedarf, Stärken, Arbeits- und Lernverhalten und sozial-emotionale Befindlichkeit machen.
In der Regel wird vor der Entlassung aus der Klinik mit allen Beteiligten ein Abschlussgespräch geführt, um möglichst günstige Bedingungen für die Rückkehr an die zuständige Schule zu schaffen.
Die Kollegen des Landesförderzentrums bieten zu Fragen der Beschulung von psychisch kranken Schülern Beratung an.

Familie in Schule (FiSch)
In einigen Lerngruppen trainieren Eltern einmal wöchentlich im Unterricht unter therapeutischer Anleitung, ihr Kind bei der Umsetzung von Verhaltenszielen zu unterstützen.

Bisherige Entwicklungsschwerpunkte
Während der Arbeit des Kollegiums am Schulentwicklungsprogramm tauchten immer wieder die Themen „Teamarbeit“ und „Umgang mit Gewalt“ auf. In den Kommunikationsgruppen herrschte ein großer Gesprächsbedarf zu diesen beiden Punkten, so dass sich daraus unsere beiden Entwicklungsschwerpunkte ergaben.
Der 1. Entwicklungsschwerpunkt „Arbeit im Team“ ist als Pilotprojekt in der erweiterten Orientierungsstufe erprobt worden.
Mit dem 2. Entwicklungsschwerpunkt „Gewaltprävention und Streitkultur“ wurde eine Veränderung im Umgang mit Gewalt an unserer Schule bewirkt.

Neue Entwicklungsschwerpunkte/Aufgaben des Landesförderzentrums
Ziele der Reintegration


Anregungen für die spätere Evaluation: Feedback aus den Heimatschulen (Fragebogen)

Ziele der Entwicklung von Beratungs- und  Fortbildungsangeboten

Kollegen der Schule Hesterberg stellen durch ein Fortbildungsangebot ihre Kompetenzen zur Verfügung, indem sie Eltern und Lehrkräfte über den Umgang im schulischen Bereich mit psychisch erkrankten Schülern informieren und aufklären. Die Bereitschaft zur Arbeit mit diesen Kindern und Jugendlichen kann so im Sinne der Inklusion erhöht werden. Lehrkräfte und Eltern können darüber hinaus Beratung in Anspruch nehmen.


Anregungen für die spätere Evaluation: Es gibt einen Katalog für Fortbildungsangebote. Schulinterne Reflexion, ob bzw. inwieweit die vorgestellten Anregungen im Rahmen der Unterstützung und Beratung umgesetzt werden konnten.


Im Falle der Konkretisierung der Umzugspläne auf das Stadtfeld wird die Planung des Umzugs der vorrangige Entwicklungsschwerpunkt.